Nicht selten begegne ich jemanden  der seine Bilder nicht bearbeitet.

Als ich mit Fotografie (außer als Dokumentation) noch nichts am Hut hatte, war ich mit einer  Freundin in New York. Sie hatte eine Profi-Kamera von ihre Schwester ausgeliehen und fotografierte den lieben langen Tag. Erst Wochen nach dem wir wieder zu Hause waren habe ich die Bilder zu sehen bekommen, denn sie wurden sorgfältig von ihrem Freund bearbeitet.

Gut, die Bilder waren toll und die Bearbeitung auch – aber als jemand die nur knipst konnte ich nicht allzu viel damit anfangen. Ich denke so geht es vielen Fotografinnen, die ganz am Anfang stehen. Erst das Fotografieren lernen, dann kann kann man immer noch überlegen sie zu bearbeiten. Hmmm, ja, vom Prinzip her jein.

Ein paar Monate später war ich mit der gleichen Freundin in London unterwegs. Mittlerweile hat sie mich mit der Fotografie angesteckt und ich hatte mir meine erste Kamera gekauft. Sie sagte mir ich soll ab sofort nur noch in RAW Modus fotografieren. Was sie nicht wusste ist, dass mein damaliger Computer nicht über ein RAW Konvertierungsprogramm verfügte.

An dieser  Stelle möchte ich dir erklären, dass die meisten Kameras über die Option in RAW Modus, in Jpg Modus or beides gleichzeitig zu fotografieren verfügen.

Andere Begriffe für RAW sind NEF und DNG – (als ob es nicht so schon kompliziert genug wäre).

Warum riet mir meine Freundin zu so einem Unsinn dachte ich mir als ich meine CD mit den Bildern (nun in jpg konvertiert – für viel Geld) im Foto-Laden abholte? – (dieser Laden erschreckt  mich immer wieder aufs Neue, denn auch sie konnten mir nicht sagen warum meine Freundin das so wichtig fand).

Ich erkläre es dir auf eine sehr simple Art und Weise (bei dem die meisten Profis milde lächeln werden, weil ich einfach zu wenig Fremdwörter benutze).

RAW Dateien sind Dateien die im Roh-Zustand fotografiert werden. Sie sind größer als jpg Dateien und nehmen mehr Speicherplatz ein . Sie können im Nachhinein manipuliert werden. Eine  jpg Datei nur geringfügig.

Ein Foto in RAW kann sehr misslungen aus der Kamera kommen und trotzdem gerettet werden. Ein misslungenes  jpg Foto kannst du in den Müll werfen.

Ein Bearbeitungsprogramm wie Adobe Lightroom liebt RAW Dateien und wurde konzipiert für deren Bearbeitung.

Auch ich empfehle dir in RAW zu fotografieren und deine Bilder, egal wie geringfügig, zu bearbeiten.

Als Alternative kannst du in Jpg fotografieren. Nutze die verschiedene Modi der Kamera um sie so einzustellen, dass das Foto so aus der Kamera kommt, wie du es dir im Kopf vorgestellt hast.

Wenn du das beherrscht, kannst du Bilder von statischen Elementen wie Architektur und Landschaften fotografieren – praktisch alles was warten kann, bis du deine Kamera entsprechend eingestellt hast.

Für alles andere würde ich in RAW arbeiten und die Bilder später bei der Bearbeitung regulieren:

Portraits und alles was sich bewegt, alles wessen Farbe dir nicht gefällt, alles was du später in Schwarz Weiß konvertieren möchtest, alles was schnell fotografiert werden muss, weil sonst der Moment vorbei ist. Bitte bedenke, deine Familienmitglieder sind die Menschen die du in bestimmten Situationen fotografieren möchtest, sie sind auch die Ersten die es sich rausnehmen werden zu meckern, wenn es zu lange dauert 😉

Obwohl ich grundsätzlich in RAW fotografiere, möchte ich dir den Fotografen Daniel Goodwin vorstellen, der ausschließlich in jpg arbeitet. Sein Credo: “das Foto ist absolut unbearbeitet”

http://goodwinexposure.com (hier sind Bilder die er Analog aufnahm)

diese Bilder sind fast alle digital aufgenommen worden: https://www.photocase.de/fotos/suchen?q=user:GoodwinDan&so=dtm

Wie du sieht, es geht, aber würde er vor mir stehen, dann würde ich ihm sagen, dass er es wesentlich leichter haben könnte – worüber er in Gelächter ausbrechen würde, denn diese Vorgehensweise macht seinen fotografischen Stil aus 😉 – sehr speziell und eher die Ausnahme!