Darf es ein bisschen “UNSCHARF” sein?

Wer will schon unscharf sein?

Ich muss wirklich gestehen, dass mich Unschärfe in Bildern total anzieht. Aus einem Meer von perfekt abgelichteten und richtig eingestellten Bildern, in dem nur eines davon unscharf ist, würden meinen Augen immer wieder zu diesem einen Bild zurückwandern.

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Schon Claude Monet hatte den Bogen damals raus und malte zu seiner Zeit im 19. Jahrhundert, in seinem impressionistischen Stil, Landschaften, seinen Blumen-Garten in Giverny, sowie das Hafengebiet Le Havres. Wegen seines künstlerischen Stils wurde ihm sogar die Kurzsichtigkeit vorgeworfen; dabei war es einfach seine Absicht, eine „Impression“ darzustellen und natürlich zu hinterlassen.

Impression = Eindruck

Vor allem eignen sich unscharfe Bilder wunderbar als Wandbilder – ihr Anblick erweckt etwas heimeliges, etwas sanftes und verträumtes, man muss immer hinschauen, man überlegt, was sich wirklich dahinter verbirgt und macht sich Gedanken darüber – man träumt eben vor sich hin. Oder man schaut hin und denkt an gar nichts, wie bei einer Meditation, was sehr beruhigend und ausgleichend wirkt.

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Durch den geschickten Umgang mit der Kamera kannst du gekonnt eigene Kunstwerke schaffen. Eine Fotografie mit genau dem richtigen Grad an Schärfe, nur so viel, dass man in etwa weiß, was sich dahinter verbirgt.

Wie geht das?

  1. Stelle die Kamera und das Objektiv so ein, als würde man manuell scharf stellen.
  2. Suche ein kontrastreiches Motiv.
  3. Drehe am Objektiv, bis der gewünschte Grad an Unschärfe erreicht ist – hier würde ich am Anfang verschiedene Bilder machen, bis du das Gefühl hast, die richtige Unschärfe erreicht zu haben. Noch heute mache ich immer verschiedene Bilder in verschiedenen Einstellungen, da man in dem kleinen Vorschaufenster nicht viel erkennen kann.

Eine weitere Möglichkeit ist das „Ziehen“ – und das geht so:

  1. Befestige die Kamera mit einem Zoom-Objektiv am Stativ.
  2. Suche ein Motiv ohne Störfaktoren am Rand (die Ränder sollen weich und homogen erscheinen).
  3. Stelle die Belichtungszeit auf mindestens 1/10 Sekunde manuell so ein, dass das fertige Bild nicht zu hell wird (hohe f-Nummer und sehr niedrige ISO Werte bei Tageslicht)
  4. Drehe das Objektiv ganz nach rechts. Drücke auf den Auslöserknopf und drehe gleichzeitig so schnell wie möglich das Objektiv nach links (dieses Verfahren funktioniert in beide Richtungen, es ist ganz gleich, ob von weit nach fern oder umgedreht) es bedarf etwas Übung, bis man ein ordentliches Ergebnis erzielt hat.
  5. Du kannst auch die Befestigungsschraube des Stativs lockern und die Kamera von oben nach unten ziehen oder von rechts nach links.

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Nicht jedes Motiv eignet sich für die Unschärfe. Hier ist eine Liste von sicher geeigneten Motiven:

  • sämtliche Motive mit Lichtpunkten – hier eignen sich die roten Lichter von Autos von hinten (vorne sind die Lichter weiß),
  • Laternen,
  • Kerzen – wichtig ist, dass es einige Lichter gibt – ein einziger Lichtpunkt sieht deplatziert aus.
  • reflektiertes Licht auf nassen Oberflächen
  • homogene Landschaften
  • sehr gerade Bäume
  • Muster
  • kontrastreiche Farben, bei dem man weiß, was es ist, z. B. eine Ampel

Wie so oft nützt die schönste Unschärfe ohne eine gekonnte Bearbeitung nichts. Am 12.03.2016 veranstalte ich den Foto-Walk „I‘m blurred“. Alle Teilnehmer bekommen anschließend den Link zu einem Video Tutorial, in dem verschiedene Bearbeitungsmethoden vorgestellt werden. Hier siehst du, wie du aus einem einfachen, unscharfen Foto ein Kunstwerk erschaffen kannst – denn auf die Bearbeitung kommt es an. Hier geht es zur Anmeldung.

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